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Neurodermitis

Liebe Leserin, lieber Leser,

lange habe ich über diesem Thema gebrütet – ich kenne diese Erkrankung durch sehr gute Freunde – die sich als Betroffene (und/oder Eltern) im Laufe der Jahre zu wahren Experten entwickelt haben.

Alle haben eins gemeinsam den „verdammten“ Leidensdruck. Doch bei jedem kleinen und großen Patienten verläuft die Neurodermitis individuell – und was für Patient A richtig ist, kann für Patient B ein Fehlversuch sein.

Eins der schwersten Dinge ist die Ruhe zu bewahren, sich und dem Kind Zeit zu geben, Entscheidungen zu treffen welchem Arzt vertraue ich? Welchen therapeutischen Weg schlage ich ein, was ist für mich/uns überhaupt der richtige Ansatz?

Am Anfang steht die Beobachtung, ein Verdacht, Unsicherheit, Ratlosigkeit, Schuldgefühle (vor allem bei Nichtstillenden) und Ohnmacht.

Neurodermitis ist eine genetisch veranlagte Erkrankung – hier zum Trost der Nichtstillenden, es kommt bei Stillenden genauso häufig zu Neurodermitis Erkrankungen der Babys wie bei Flaschenkindern. Die Genetik ist entscheidend – und das schlechte Gewissen in dieser Situation weder gerechtfertigt, noch förderlich.

Nicht jede Neurodermitis geht mit einer Nahrungsmittelallergie einher; deshalb ist „nur“ Nahrung umzustellen in den meisten Fällen nicht ausreichend. Das gesamte Programm der Allergieprophylaxe sollte auch bei Neurodermitis Verdacht zügig umgesetzt werden

  • keine feder- und felltragende Tiere (Haustiere müssen abgegeben werden, auch bei sehr gründlichem Putzen dauert es ca. 6 Monate bis diese Allergene sich verflüchtigt haben)
  • kein Lammfell im Bett oder Kinderwagen
  • Hausstaubmilben sanieren
  • kein Zigarettenrauch in der Umgebung des Kindes / Patienten
  • Frischmilchprodukte, Hühnerei, Nüsse, Fisch zunächst meiden dann nach Absprache mit Arzt evtl. Allergietest vorsichtig einführen

außerdem sinnvoll

  • Wärmestau unbedingt vorbeugen
  • Kleidung aus Baumwolle / Seide möglichst kontrollierter Anbau
  • Kleidung auf „Scheuerstellen“ hin untersuchen und evtl. aussortieren (Nähte …)
  • keine Schaf- und Schurwolle
  • Hautpflege nach ärztlicher Anweisung
  • Stillende mit NDBaby eine Ausschlussdiät nur unter ärztlicher Kontrolle
  • Babys nur mit Babyprodukten ernähren, Achtung sog. Reismilch, Hafermilch etc. sind für Babys nicht geeignet! Siehe Spezialnahrungen

Neurodermitis stellt auch in der modernen Medizin und Wissenschaft Ärzte und Therapeuten vor Rätsel. Wissenschaftlich erwiesen ist noch sehr wenig, verschiedene therapeutische Ansätze konkurrieren geradezu miteinander, und nicht selten wird therapiert nach der Methode „Versuch und Irrtum“. Oft bleibt Arzt und Eltern auch nichts anderes übrig!

Hilfreiche Neurodermitis Overalls

Neben der Behandlung des Juckreiz ist es wichtig, dass die Kinder reizarme Kleidung an haben und das Kratzen verhindert wird. Ich empfehle für Babys und Kinder mit Juckreiz die Schlafanzüge entsprechend einzukaufen. Ab kleinen Babygrößen bereits erhältlich.

Ernährung

hier möchte ich entscheidende Hinweise und Tipps geben – um Fehlernährungen die durch die tollsten Diäten entstehen – entgegen zu wirken.

Stillen sollte mindestens bis zum 4. besser bis zum 6. Monat als ausschließliche Ernährung für den betroffenen Säugling beibehalten werden (natürlich nur unter der Voraussetzung das Baby wird satt und gedeiht – auch ein Hautkind darf nicht hungern!) Die Stillende sollte beobachten, ob die Haut ihres Kindes nach bestimmten Mahlzeiten mit Rötung/Reizung reagiert. Diese Beobachtungen können helfen im Anschluss an das Stillen evtl. diätetische nötige Maßnahmen sofort zu ergreifen.

Hinsichtlich der Stillzeit und NDprophylaxe gibt es neuere Veröffentlichungen. Leider kann Stillen die Bildung von Neurodermits nicht verhindern. In diesem Artikel der Ärztezeitung mehr dazu „Stillen schützt Kinder nicht vor Neurodermitis“ .

Vor einer Diät in der Stillzeit wird gewarnt . Problemlos kann und soll verzichtet werden auf Nüsse, Fisch, Eierspeisen. Bis zu 200 ml Milch kann die Stillende trinken – darüber hinaus auf Milchprodukte (Joghurt, Quark, Käse) verzichten.

Flaschennahrung (oder nach dem Abstillen) sollte immer dann auf Spezialnahrung umgestellt werden, wenn ein Verdachtsmoment besteht, dass das Milcheiweiß zu einer Verschlimmerung des Hautbildes führt.

Wichtig , nicht jede Neurodermitis begründet sich auf einer  Milchunverträglichkeit, bzw. geht mit einer Milchallergie einher! Es gibt Säuglinge und Kleinkinder die weder besser noch schlechter dran sind mit normaler Babynahrung. Für diese Kinder reicht es, bei der normalen Babynahrung zu bleiben aber keine Frischmilchprodukte, Soja, Hühnerei oder Fisch im ersten oder besser in den ersten beiden Lebensjahren zu füttern.

Spezialnahrung Empfehlung und Verordnung durch den Arzt

Spezialnahrungen (siehe auch gleichnamige Rubrik) kommen immer dann zum Einsatz wenn z.B. während der Stillzeit durch die Ernährung der Mutter festgestellt wurde, dass das Baby mit Verschlechterung des Hautbildes reagierte. Oder, wenn gleichzeitig über den Darm (Schleimhaut) häufige Durchfälle zu beobachten waren. Oder einfach nur das Gefühl gegen die normale Ernährung spricht.

Im wesentlichen gibt es zwei Wege die hier in D im Moment gegangen werden. Zum einen die Umstellung auf eine Babynahrung auf Sojabasis wie z.B. Aptamil SL – hier wird einfach auf Milcheiweiß verzichtet, Geschmack, Verträglichkeit sind in etwa vergleichbar mit normaler Babynahrung. Es ist etwas teuerer, im Drogeriemarkt erhältlich – birgt den Nachteil, dass etwa 20 % der Babys welche auf Kuhmilch reagieren, auch ein Reaktion auf Sojaeiweiß entwickeln können. In diesem Fall mit der Haut reagieren!

Die Umstellung auf eine Sojabasis ist umstritten – und sollte von Fall zu Fall unter Prüfung der individuellen Umstände mit dem Allergologen statt finden.

Mehr und mehr geht die Empfehlung hin zu stark hydrolysierten Babynahrungen – auch einfach Therapienahrungen genannt. Diese Nahrungen sind je nach Hersteller entweder auf Milch- oder auf Sojabasis. Das jeweilige Eiweiß ist so fein hydrolysiert (also gespalten) dass es nur in absoluten Ausnahmefällen allergen wirkt. Hier noch einmal die gängigsten Produkte

  • Aptamil Pepti (Molkenhydrolysat mit Laktose)
  • Aptamil Pregomin (Molkenhydrolysat, laktosefrei)
  • Alfaré (Molkenhydrolysat, laktosefrei)
  • Nestle Althea (Molkenhydrolysat mit Laktose)

Alle Produkte gibt es ausschließlich in der Apotheke in 400 g Dosen. In ganz extremen Fällen kann es auch mal nötig sein ein Baby für eine bestimmte Zeit mit einer non-allergenen Nahrung zu ernähren. Diese Spezialnahrung ist zusammengesetzt aus freien Aminosäuren (also die kleinste Einheit des Eiweißes) und dieses wirkt nicht mehr allergen. Das einzige mir bekannte Produkt heißt

  • Aptamil Pregomin AS

Achtung, alle Hydrolysat-Nahrungen schmecken bitter – eine Gewöhnungsphase, vor allem nach Muttermilchernährung kann heftig verlaufen. Geschrei, mit Ablehnung der Therapie-Nahrung muss gerechnet werden. Liebevolle Konsequenz durch die Eltern ist angesagt – dein Kind spürt schnell, „die neue Nahrung tut gut“ wenn sie auch nicht so schmeckt. Bitte nicht mit Süßstoff süßen – so das Forschungsinstitut für Kinderernährung. Schnell werden Grenzwerte überschritten.

Seit 01.10.2005 sind bei entsprechender Diagnose diese stark hydrolysierten Spezialnahrungen verordnungsfähig und die Kassen Erstatten die Kosten. Bitte über den Kinderarzt und/oder den Hersteller informieren.

Der Stuhlgang ist meist weich und grün.

 

 

Beikost-Einführung bei Neurodermitis

Das Wichtigste, neue Nahrungsmittel werden nur einzeln eingeführt und im Abstand von einer Woche kann das nächste Nahrungsmittel gegeben werden. Hier eine Aufzählung der möglichen Einführung.

  • Reisflocken
  • Kartoffeln
  • Pastinake
  • Rapsöl
  • Rindfleisch
  • Birne

Mit diesen wenigen Zutaten sind bereits mehrere Beikost-Kombis möglich. Z.B.

  • Reisflocken & Spezialnahrung = Abendbrei
  • Reisflocken & Obst & Öl = Getreide-Obst-Brei
  • Kartoffel-Gemüse-Fleisch-Öl = Mittagsmenü

Hautkinder reagieren verhältnismäßig häufig auf die Karotten-Einführung. Deshalb raten einige Allergologen als erstes folgende allergenarme Gemüse einzuführen:

  • Kürbiscreme
  • Kohlrabi fein
  • Karottenmus

Mit ca. 8 Monaten können dann weitere Beikostarten eingeführt werden wie

  • Blumenkohl
  • Broccoli
  • Zucchini
  • Bio-Banane (besser Glas)
  • Babys Haferflocken
  • Geflügelfleisch

 

Buchtipp:

Nahrungsmittelallergie, ein Leitfaden für Betroffene (Amazon Partnerlink)

Die Autorin Karin Buchart beschreibt sehr fundiert auf was es bei der Diagnose und Therapie Nahrungsmittelallergie ankommt. Hintergründe werden klar – zeigen aber auch Wege auf durch den Dschungel der Empfehlungen. Wer selbst unter Nahrungsmittelallergien leidet, oder ein Kind hat welches darunter leidet, muss lernen mit Deklarationen auf Verpackungen umzugehen. Kritische Inhalts- oder  Zusatzstoffe müssen erkannt und verbannt werden. Mögliche Kreuzallergien sollten bekannt sein, um diese verhindern zu können.

 

 

Es werden sehr detaillierte Infos gegeben zu den verschiedenen Formen der

  • Milchallergie und ihrer diätetischen Behandlung
  • Allergene im Hüherei
  • Allergenarmes Kochen für Fischallergiker
  • Sojaallergie
  • Getreideallergien
  • Nussallergien
  • Kreuzallergien zwischen Pflanzen und Pollen

Eine weitere Rubrik widmet sich der Laktoseintoleranz und der Fruktosemalabsorption. Der Zusammenhang zwischen Neurodermitis und Nahrungsmittelallergenen wird ebenfalls gut erklärt dargestellt.
Allen Bereichen sind gute Übersichten zugeordnet um die passenden Alternativen ausfindig zu machen bzw. die Rohstoffe, welche es zu meiden gilt, kennen zu lernen.

Ca. 60 allergenarme Rezepte – gekennzeichnet für welche Allergiker geeignet – werden vorgestellt. Eine echte Hilfe, vor allem für Menschen die mehrere Nahrungskomponenten meiden und ersetzen müssen.

Betroffenen ist dieses Buch eine sehr gute Orientierung, Ernährungsberater/innen sollten dieses Buch auf ihrem Schreibtisch liegen haben. Ein sehr gutes, fachlich fundiertes Nachschlagewerk.  Ute H.  02/04 und 2011

 

Hautpflege

sollte nach Möglichkeit immer mit dem Kinderarzt oder Allergologen abgestimmt sein, denn es ist ein sehr wichtiger Teil in der Behandlung. Die Anweisungen des Arztes sollten dabei ernst genommen werden – und leider ist nicht immer der erste Versuch gleich von Erfolg gekrönt. Es gehört Geduld und Vertrauen mit dazu.

Eltern, deren Kinder ein „Hautproblem“ haben, der Neurodermitis Verdacht im Raume steht, keine klare Diagnose getroffen wurde, sollten sich in der Pflege an möglichst neutrale, unparfümierte, Pflegeserien halten. Von der Firma lavera gibt es eine sehr schöne Babypflege-Serie für die Neurodermitis geplagte Haut. Der Chef des Unternehmens ist selbst Betroffener, und so entstand diese Pflege.

 

 

Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind
– Hilfen für Kinder mit Asthma, Ekzem oder Heuschnupfen – AKK e.V.
Nassaustr. 32
35745 Herborn     Fon: 0 27 72 / 92 87 30  &  Fax: 92 87 48

Deutscher Neurodermitis Bund e.V.
Spaldingstr.210
20097 Hamburg
Tel.: 040/230810
Fax: 040/231008
 

 

4 4 Kommentare

  1. Mein Sohn hat extrem trockene und schuppige Haut, die ich dzt. mit der Kaufmanns Kindercreme sehr gut in den Griff bekomme.
    ich habe nun schon vermehrt gelesen, dass man bei „Hautkindern“ mit Karotte warten soll. Nun meine Frage: Ab wann kann ich karotte einführen? Mein Sohn bekommt dzt. Pastinake, Kartoffel und auch brokkoli…hat er alles super vertragen.

    • Hallo Melanie,
      Du musst es ausprobieren. Manche Babys vertragen es, manche reagieren mit ihrer empfindsamen Haut. Du kannst vorher ja noch Kürbis und Mais einführen.
      Guten Hunger wünscht Ute