Durchfall

Bei Durchfall immer zum Kinderarzt gehen!

Hilfe mein Baby hat Durchfall – was nun? Magen-Darm-Infekt bei Säuglingen. Ab wann spricht man bei einem Baby (Säugling, Kleinkind) von Durchfall und was sollte beachtet werden.

Durchfall

bedeutet es tritt eine vermehrte Stuhlentleerung mit verminderter Stuhlfestigkeit auf. Es kann sich steigern von „zerhackten“ Stuhl, dünnbreiig, zu wässrig und spritzend. Vom Kind geht ein untypischer Geruch aus und die Stühle und Gase sind übel riechend (säuerlich oder faulig). Der Stuhlgang wird in kurzen Abständen abgesetzt – zwei matschige Stühle am Tag sind noch kein Durchfall. Meistens bekommen die kleinen Patienten auch Fieber und in aller Regel einen wunden Po.

Der Kinderarztbesuch sollte bei jedem  Durchfall des Säuglings und Kleinkindes erfolgen.

Die Durchfallserkrankung wird vom Kinderarzt unter verschiedenen Fachbegriffen geführt – Diagnoseabhängig bezeichnet dein Kinderarzt eure Erkrankung als

  • Enteritis = Darminfektion durch Bakterien, Viren oder Parasiten ausgelöst
  • Gastroenteritis = Erbrechen und Durchfall (und Blähungen, Krämpfe etc.)
  • Nahrungsmittelvergiftung = nach Genuss von verdorbenen Lebensmittel / Milch
  • Nahrungsmittelunverträglichkeit bestimmte Speisen werden nicht vertragen; akute Störung des Verdauungsapparates und / oder der Resorption (also Aufnahme der Nährstoffe)— nicht ansteckend

 

Sofort – Maßnahmen

  • Flüssigkeitszufuhr z.B. Fenchel- oder Kamillentee (evtl. mit Traubenzucker süßen) oder noch idealer eine Glucose-Elektrolyt-Lösung (verordnet der Arzt).
  • Durch einen hohen Flüssigkeits- und Salzverlust könnte dein Säugling binnen weniger Stunden in eine lebensbedrohliche Situation kommen!

Zeichen der Austrocknung

  • Hautfalte am Bauch verstreicht langsam
  • Lippen und Mundhöhle sind trocken
  • Trinkverweigerung des Babys/Kindes
  • tiefliegende Augen
  • Lidschlag ist ganz langsam und selten Fontanelle ist eingefallen

Sollten dir diese Dinge bei deinem Kind auffallen …

dringend Kinderarzt oder Kinderklinik aufsuchen

Bei Wasser und Elektrolytverlust (Salz) ist manchmal eine Infusionstherapie nicht zu vermeiden und lebensnotwendig. Ausgetrocknete Babys und Kinder werden immer schläfriger, haben meist einen obstigen Atem und sind immer schlechter ansprechbar. Sie verweigern das trinken. Binnen kurzer Zeit können sie in einem lebensbedrohlichen Zustand sein und sogar sterben wenn sie die notwendige Salz- und Flüssigkeitszufuhr nicht bekommen. Je zarter ein Kind und je jünger ein Baby, desto aufmerksamer sollte der körperliche Zustand beobachtet werden.

Ursachen für Durchfall können sein

  • Vireninfektion – die bekanntesten sind die Rota-Viren
  • Bakterieninfektion
  • absteigender Infekt – beginnend mit Atemwegserkrankung
  • Salmonelleninfektion
  • Parasitenbefall z.B. Würmer
  • Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)
  • Milchunverträglichkeit
  • Milcheiweißallergie
  • Lebensmittelvergiftung durch verdorbene Lebensmittel
  • Zahnen

Diätetische Maßnahmen – Durchfall-Diät

Sind notwendig damit sich der Magen und Darm wieder erholen und heilen kann. Um die Gewichtsabnahme zu stoppen und wieder an Gewicht zu gewinnen ist es notwendig, dass dem Körper Kalorien und Bausteine zum Aufbau früh zugeführt werden. Flüssigkeits- und evtl. Salzverlust muss ausgeglichen werden.

Durchfall bei gestillten Säuglingen

werden weitergestillt, bekommen zusätzlich Tee und / oder Elektrolytlösung. Die Muttermilch ist stark laktosehaltig (Laktose = Milchzucker und führt ab) deshalb trinken kranke Stillbabys instinktiv oft tagelang weniger. Deshalb ist es sinnvoll während der Krankheitsphase des Kindes zusätzlich Muttermilch abzupumpen und einzufrieren. In der Genesungsphase wird dein Kind wieder deutlich mehr verlangen – dann könnte es sonst eng werden mit „voll stillen“. Die Brust reagiert auf das weniger Trinken des Babys sonst mit Milchrückgang.

 

Durchfall bei Flaschen-Babys

Nach der Tee- oder Elektrolytpause (Menge und Zeitraum sind mit dem Kinderarzt individuell zu besprechen) wird auf Empfehlung vom Kinderarzt auf eine spezielle Heilnahrung umgestellt. Diese Heilnahrungen sind zusammengesetzt um dem „geschädigten“ Darm eine gute Nährstoffaufnahme zu ermöglichen.

Bei Heilnahrungen

gegen Durchfall ist der Milchzucker teilweise oder ganz durch andere Kohlenhydrate ersetzt. Ein hoher Stärkeanteil gewährleistet einmal eine gute Sättigung, und hat eine „stopfende“ Wirkung im Darm. Der Fettgehalt ist reduziert – eingeschränkte Verdauung – und der Eiweißgehalt ist leicht erhöht gegenüber einer normalen Säuglingsnahrung.

Heilnahrungen gibt es auch für allergiegefährdete Säuglinge. Bitte in diesen Fällen auf den Aufdruck HA achten.

Halbmilch wird ebenfalls gerne von Kinderärzten empfohlen. Dabei handelt es sich um Flaschenmahlzeiten hergestellt aus der normalen Wasser- und halbierten Pulvermenge der gewohnten Säuglingsnahrung. Zu bedenken ist bei dieser Ernährungsform dass die Babys von den Mikronährstoffen  unterversorgt sind und eine deutlich geringere Energiezufuhr haben. Die Pulvermenge zu halbieren bedeutet auch halbe Nährstoffzufuhr. Unklar ist häufig bei dieser Empfehlung wie lange welche Dosierung gefüttert werden soll. Deshalb den Kinderarzt konkret darauf ansprechen wielange die Sonder-Mischung gegeben werden soll.

Reisschleimflaschen ebenfalls eine Ernährungsform die immer wieder empfohlen wird. Auf 200 ml abgekochtes abgekühltes Wasser 7 – 8 gehäufte Teelöffel Instant Reisflocken geben und gut schütteln. Es dient dazu den Magen zu beruhigen und den Stuhl etwas zu festigen. Es ist auf keinen Fall als Dauerernährung geeignet. Ein bis zwei Reisschleimflaschen zu Beginn eines Darminfektes können hilfreich sein. Danach sollte der zügige Übergang zu einer Heilnahrung statt finden.

Spezialnahrungen Hydrolysate. Bei Verdacht auf Kuhmilchunverträglichkeit, Allergie oder Laktoseintoleranz kann es ebenfalls zu Durchfällen kommen. In diesen Fällen gibt es spezielle Hydrolysatnahrungen ausschließlich in Apotheken zu kaufen. Diesen können bei extremen Verläufen von Durchfällen gefüttert werden und der Kinderarzt wird bei entsprechender Diagnose automatisch darauf verweisen.

Beikost für ältere Säuglinge mit Durchfall

  • Karottengläschen pur plus Heilnahrung / Brust
  • Karottengläschen mit zerdrückter Kartoffel angereichert
  • Karottengläschen plus 4 – 5 EL Instant Reisflocken
  • schaumig geschlagene Banane und/oder geriebener Apfel
  • Heilnahrungsbrei siehe Packungshinweise
  • milchfreier Brei aus 150 ml Wasser und 20 g Babys Reisflocken
  • Zwieback in Wasser aufweichen und geriebenen Apfel dazu

Bei Besserung der Stuhlkonsistenz kann ins Gemüse etwas Butter oder Keimöl zugegeben werden. Der milchfreie Brei kann durch einen Halbmilchbrei (mit Babynahrung! nicht mit Frischmilch) ersetzt werden. Auch andere Gemüse (Pastinake, Zucchini etc.) dürfen wieder eingeführt werden. Schrittweise die Diät lockern. Das Kind entwickelt wieder Appetit und verlangt auch nach anderen Speisen. Zusätzlich zu Zwieback darf auch wieder ein Keks geknabbert werden.

Keine Salz-Sticks oder Colagetränke anbieten. Auch Schwarztee ist wegen seiner sonstigen Wirkung völlig ungeeignet bis ins Schulkindalter.

Umstellung auf die gewohnte Kost

Sollte langsam und schrittweise erfolgen. Nach 5 – 6 Tagen ist der Durchfall meist überstanden, der Stuhlgang gut geformt und das Baby wieder fröhlich. Jeden Tag kann eine Mahlzeit von der Diät – ob Heilnahrung oder Diät-Gemüse – umgestellt werden. Die geschädigte Darmschleimhaut kann bis zu drei Wochen brauchen um sich vollständig zu erholen. Sollte bei der Umstellung der Stuhlgang wieder dünn oder gar stinkig werden, sofort wieder auf Diät gehen.
Der Darm verträgt einige Tage kein „kreuz und quer“ Speiseplan. Sollte es bei jedem Umstellungsversuch wieder zu Durchfall kommen muss unbedingt der Kinderarzt um Rat gefragt werden.

Wunder Popo ….

Sowohl der Stuhl, als auch der Urin sind ungewöhnlich scharf und aggressiv in der Durchfallphase. Die Haut ist stark gerötet – nicht selten kommt es zu offenen blutenden Hautstellen. Dieses ist sehr schmerzhaft, es brennt höllisch und trägt zum Unwohlsein gehörig bei. Was tun?

  • häufiges wickeln
  • Luftbäder, Baby häufig ohne Windeln strampeln lassen – evtl. mit Fön auf ganz niedriger Temperatur trocken fönen – kurz die Sonne auf die Haut scheinen lassen
  • Kamillenteebad … 1 Beutel Kamillentee aufbrühen, den Tee in das Badewasser (evtl. Sitzbad in einer Schüssel) geben und Babys mit dem Popo baden
  • Ringelblumensalbe oder Kamillencreme (Pflegecreme bei starken Rötungen)
  • Palliativ-Creme (Apotheke) eine ganz tolle Wundschutzcreme (die half immer prima bei offenen Hautstellen unseres Großen der als Baby und Kleinkind immer zu blutenden Stellen neigte)

Weitere Maßnahmen zum Schutz vor (erneutem) Durchfall können sein:

  • gewissenhafte Flaschen-, Sauger- und Schnullerhygiene (siehe auch Flaschenhygiene unter Nahrungen)
  • waschen und evtl. desinfizieren von Spielsachen
  • Desinfektion von Wickelfläche, Badewanne etc.
  • Austausch von Cremetöpfen, Ölflaschen usw.
  • 100 % ätherisches Zitronenöl   2 – 3 Tropfen auf einen feuchten Lappen und damit mehrmals täglich Türklinken, Telefonhörer, Toilettensitz usw. abwischen; das ist eine Art Desinfektion mit hoher Wirkung gegen krankmachende Bakterien und damit ein Schutz vor Ansteckung (und riecht frisch); Lappen regelmäßig wechseln!!!
  • Spielsachen gründlich waschen und evtl. desinfizieren

 

Und noch ein Tipp zur Vorsorge gegen Durchfall

  • Eine Probe Heilnahrung über Kinderarztpraxis besorgen.
  • Glucose-Elektrolyt-Lösung gehört in die Hausapotheke einer Familie.
  • Ein Glas Karotten für den Notfall ist ebenso sinnvoll.
  • diese Seite ausdrucken und bei der Notfall-Kiste aufbewahren

Bakteriensuppe in der Babynahrung?

Grundsätzlich sollte Eltern klar sein, dass es sich beim Babynahrungspulver nicht um Sterilware handelt, sondern um gut kontrollierte Nahrung welche normale Keime beinhaltet. Ist eine Babynahrung angeschüttelt und bleibt stundenlang stehen, kann sie sich ungewollt zu einer Bakteriensuppe verwandeln. Das kann zu schwersten Durchfällen führen.

Die Hersteller von Babynahrung beschreiben auf ihren Päckchen genau wie die Zubereitung werden soll. Aber warum muss das Wasser abgekocht und abgekühlt werden, wieso soll jedes Fläschchen frisch zubereitet werden? Sowie viele weitere Fragen rund um dieses Thema möchte ich hier klären. Nur wer weiß warum welches Vorgehen wichtig ist, hält sich an die Angaben und versteht warum die Hersteller so strenge Vorgaben machen.

Trotzdem halten sich hartnäckig, häufig sogar unterstützt durch Empfehlung von Kinderkrankenschwestern, Hebammen, Kinderärzten und  Buchautoren, die guten Ratschläge Babynahrung für 24 Stunden fertig zu machen und diesem im Kühlschrank aufzubewahren. Dieser gut gemeinte Ratschlag, kann lebensbedrohliche Folgen haben.

Seit Frühjahr 2010 gibt es Empfehlungen dass Babys Flaschen nicht mehr sterilisiert werden brauchen. Das Babywasser kann so dem Wasserhahn entnommen werden. Bitte beachte deshalb dringend die Hersteller-Empfehlungen – diese stehen im Widerspruch und haben für mich die höhere Gültigkeit! Ich persönlich würde grundsätzlich Flaschen und Sauger sterilisieren – nicht nur während Krankheitsphasen. Das abkochen von Wasser zur Zubereitung von Babynahrung bietet Sicherheit. Und das wäre mir mein Kind wert. Wenn ich mir vorstelle dass Spülmittelreste aus der Spülmaschine sich lecker mit dem Fett der Babynahrung verbinden – nein Danke.

Das frische zubereiten der Säuglingsnahrung ist ein Punkt – die Flaschenhygiene ein anderer.

Wichtiger Hinweis: Ich wünsche gute Besserung und hoffe diese Seite unterstützt Dich in der Pflege und Ernährung in der Durchfall- und Genesungsphase. Ein krankes Baby, ein krankes Kleinkind gehört in ärztliche Kontrolle. Bitte beachte dies – zum Wohle Deines Kindes.