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Babys Übergewicht

Liebe Eltern,

die Angst und der Respekt vor dicken Kindern oder überfütterten Babys grasiert …..

Niemals war die Babyernährung so einfach und so durchschaubar wie heute. Niemals war das Angebot an Babynahrungsprodukten so groß wie bisher. Mit dem Thema Übergewicht werden wir Eltern natürlich konfrontiert – die Frage ist immer nur von welchem Standpunkt aus ein Baby oder Kleinkind als „dick“ bezeichnet, ja manchmal sogar diffamiert wird.

Es gibt Babys die bereits mit einem hohem Geburtsgewicht geboren werden. Ich selbst bin Mutter zweier Söhne die als Babys mit Gewichten deutlich über 4 kg gestartet sind und in der Babyzeit rund und wohlgenährt waren. Einer meiner Söhne schaffte es in 3 Wochen 1500 g zuzunehmen. Mit 4 Monaten hatten beide Kinder locker ihr Geburtsgewicht verdoppelt. Mein Kinderarzt meinte humorig und mit zweifelhaftem Unterton „wenn Sie nicht stillen würden, würde ich ihnen jetzt die Hölle heiß machen ….“

Immer wieder erhalte ich Anfragen besorgter Eltern die wohlgenährte Babys haben. Ich habe regelmäßig verunsicherter Anfragen von Stillmamas „dicker Stillkinder“. Sie haben eigentlich ein sehr gutes Gefühl und lassen der Natur und den kindlichen Bedürfnissen ihren Lauf. Sprich sie stillen ihr Kind nach Bedarf. Werden dann aber von Stillmüttern sehr schlanker Babys, Großeltern und natürlich auch Fachleuten wie dem eigenen Kinderarzt, der Hebamme,  angesprochen „ob sie nicht mal langsam ihr Kind bremsen wollten“ oder auch einfach solche Kommentare wie „ich bin ja froh dass mein Kind schlank ist ….“ und dadurch verunsichert.

Dann brauchen nur noch Rückenschmerzen vom Tragen dazu kommen und aus zufriedenen (Still)Müttern werden verunsicherte Mütter. Handelt es sich dann noch um ein Flaschenkind ist die Sorge noch größer. Den Eltern wird Überfütterung unterstellt  „sie mästen ihr Kind“ und überhaupt dicke Babys – dicke Erwachsene. Solche  Gerüchte kursieren in Elternkreisen und nagen am Selbstverständnis und am Selbstbewusstsein der Eltern.

Wir schreiben das Jahr 2011 und was wohlgenährte, speckige Babys betrifft fühle ich manchmal ins Mittelalter zurück versetzt.  Die Eltern dicker Babys sind zum Urteil freigegeben ……. Welch ein Glück kann eine Mama zur Verteidigung noch anbringen „aber ich stille“, welch Drama wenn dieses Argument fehlt.

Anfangsnahrungen sind zur ad libitum (nach Bedarf) Fütterung freigegeben weil sie sehr nah an der Muttermilch sind. Die meisten Anfangsnahrungen haben einen Kaloriengehalt um die 66 kcal auf 100 ml. Das entspricht einem durchschnittlichen Kaloriengehalt an Muttermilch. Bei Stillkindern wird einfach nach Bedarf gestillt. Für kräftige Flaschenkinder empfehle ich die Fütterung einer 1er Nahrung. Das ist die gleiche oder vergleichbare Kalorienzahl aber sie enthalten etwas sättigende Stärke. Damit fühlt sich ein hungriges Baby einfach schneller oder anhaltender gesättigt. So kann man die Trinkmenge ein wenig „regulieren“. 1er Nahrung macht nicht dick wie es vielfach behauptet wird. Sie sättigt besser.

Liebe Eltern, lasst eure Babys nicht hungern. Ihr habt es vielleicht schon ausprobiert, auf Empfehlung von Außen, das Kind eine halbe Stunde oder Stunde „zu ziehen“. Es nutzt nichts. Hunger ist Hunger. Und wenn ein Baby Hunger hat hilft kein Tee, kein Wasser und kein Kasperle Theater. Hunger ist ein Grundbedürfnis welches gestillt gehört. Entweder mit der Brust oder der Flasche. Punkt. Ein Baby hinziehen in Anbetracht seines Gewichtes ist eine Anleitung zum hungern lassen. Schlimm genug dass Weltweit Millionen Kinder hungern müssen.

Babyspeck

Der Babyspeck welcher sich in den ersten Lebensmonaten bildet, durch das Stillen oder eine Anfangsnahrung, ist eine sinnvolle Einrichtung der Natur. Babys mit einem gesegneten Appetit und reichlichem Angebot sorgen für „Mangelzeiten“ vor. Mangelzeiten in unseren Breiten sind Zeiten in welchen die lieben Kleinen z.B. wegen Zahnungsproblemen, Erkältungskrankheiten, Durchfällen, Zeiten von neugierigem Interesse an allem aber nicht am Essen, ihren aktuellen Kalorienbedarf nicht decken können. Dann „schmilzt“ das Speckröllchen dahin. Der Organismus muss nicht wirklich hungern, er greift auf die angelegte Reserve zurück. Deshalb können Eltern „dicker Babys“ einer Krankheitsphase mit größerer Gelassenheit gegenübertreten als Eltern von (sehr) schlanken Babys.

Fast alle Kinder haben rund um den 1. Geburtstag eigene Vorstellungen vom Essen. Sie experimentieren und probieren. Wollen alleine essen, sich auf gar keinen Fall mehr füttern lassen, haben keine Zeit zu essen weil es so vieles  interessantes zu entdecken gibt. Spätestens in dieser Phase geht es auch den drallen Babys an die Hüfte.

Babys Speiseplan

Für kräftige Babys gilt, sie haben einen höheren Kalorienbedarf als schlanke Kinder. Viele der kräftigen Babys sind es von Geburt an weil sie mit einem hohen Geburtsgewicht bereits zur Welt kamen.

Die Mutter eines kräftigen Stillkindes sollte frühzeitig auf ihre eigene kalorienreiche Ernährung achten. Essen was ihr schmeckt und möglichst nicht an die eigene Figur denken. Wer am eigenen Gewicht „rumnörgelt“ wird automatisch weniger oder gefrusteter Essen und das gibt keine gute innere Haltung und geht auch auf oder in  „die Milch“. Natürlich nicht per Analytik nachweisbar, aber die Psyche der Mutter spielt eine Rolle beim Stillen selbst. Babys reagieren auf die innere Ausstrahlung mit Wohlgefühl oder Unsicherheit.

Das Flaschenkind bekommt ad libitum gefüttert was es braucht. Keine gesüßten Tees oder Saftschorlen zusätzlich anbieten. Erstens brauchen Babys keine zusätzlichen Durstlöscher, zweitens ist alles was „gesüßt“ ist eine unerwünschte zusätzliche Kalorienzufuhr.

Kräftige Babys bekommen genauso ihren Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Fett-Brei wie andere Babys. Eine Fettreduzierung, wie oft vorgeschlagen, ist kontraproduktiv. Denn „spart“ man tagsüber die sinnvollen Kalorien ein, holen sich die lieben Kleinen des nachts noch eine zusätzliche Still- oder Flaschenmahlzeit. Damit ist nichts gewonnen.

Der Milch-Getreide-Brei sollte möglichst als Milchfertigbrei (Instant) gegeben werden. Das ist eine kontrollierte Mahlzeit – kontrolliert nicht nur auf die Rohstoffe bezogen sondern vor allem auf die Zusammensetzung. Die Beikostverordnung legt genau den Nährstoffbereich fest. Keine Zusätze in Form von Obst oder Saft dazu – das sind Süßungsmittel die den Geschmack zwar aufpeppen können, aber zusätzliche Kalorien bringen. Das sollte man sich sparen.

Als Getränk immer Wasser oder ungesüßten Tee anbieten – parallel zur Löffelkost.  Die Milchnahrung weiterhin nach Bedarf.

Im zweiten Lebenshalbjahr wird der Speiseplan noch durch den Obst-Getreide-Fett-Brei ergänzt. Hier ist die Devise selbst anrühren. Aus Getreidebrei BIO Flocken plus Obstmus plus Rapsöl.
Die ganze Gläschchenkost „Getreide-Vollkorn-Trallala“ ist als Zwischenmahlzeit ausgelegt. Viel Obst(süße), wenig Flocken, selten Fett. Ich empfehle hier den FKE-Brei wie er auf meinen Seiten auch zu finden ist.

Bei Flaschenkindern kann nur auf die sättigender Folgemilch umgestellt werden. Auch hier sind die Nährwerte und Kalorien kontrolliert. Je kräftiger ein Baby, desto höher die Stufe der Nahrung um eine gute Sättigung zu erreichen.

Damit wären 3 Beikost-Mahlzeiten abgedeckt. Halte dich fern von Keks & Co. Lass die Finger von Obstmus pur oder von kleinen Becherchen mit Joghurt, Quark, Frischkäse, Duo und Trallalalas. Es sind alles überflüssige Angebote die in keinem gesunden Speiseplan Platz finden sollten. Diese kleinen Zwischenmahlzeiten sind wunderbar geeignet die Kinder von den normalen Hauptmahlzeiten abzuhalten. Deshalb überprüfe alles was Du anbietest. Dient es dem Kind oder dem Hersteller.

Diese drei genannten Mahlzeiten

  • Mittagessen – Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Fett-Brei (Glasmenü oder selbst zubereiten)
  • Nachmittagsessen – Obst-Getreide-Fett-Brei und (selbst zubereiten)
  • Abendessen – Milch-Getreide-Brei (Instant mit Wasser anrühren)

können in der Menge dem Bedarf Deines Kindes angepasst werden. Es ist kein Problem 300 g Mittagessen anstatt 200 g zu geben. Die klassische Menge 200 g wird ergänzt durch zusätzlich Kartoffel und Gemüse (kein zusätzliches Fett).
Beim Milchbrei darf einfach eine größere Menge angerührt werden als auf der Packung steht.

Wenn Du Dich an diese Ernährungsform hältst, frühzeitig unterscheiden lernst zwischen sinnvollen Mahlzeiten und Snacks (Zwischenmahlzeiten) wirst Du Dein Kind satt bekommen aber nicht unsinnig überfüttern. Bleibe orientiert an den Hauptmahlzeiten wie es auch das FKE empfiehlt und halte dich fern vom Baby-Konsum. Dann reguliert sich der Babyspeck von ganz alleine. Kommt alleine, geht alleine und dabei ist das Kind immer wohlgenährt und zufrieden.

Freue Dich an Deinem kräftigen Kind 🙂

Und zu guter Letzt – meine ehemaligen sehr dicken Stillkinder sind große, schlanke, stattliche junge Männer.  Auch über das 1. Lebensjahr hinaus macht eine gesunde, nährstoffgerechte Ernährung durchaus Sinn. Und wenn sie mal „gehungert“ haben, dann war es immer aus freien Stücken …. denn auch sie hatten phasenweise wenig Appetit oder andere Vorstellungen vom Essen als ich.

Seit einigen Jahren ist es auch wissenschaftlich belegt. Adipositas oder Übergewicht bei Kindern wird vor allem durch die eiweißreiche Ernährung ausgelöst. Ein Grund mehr auf normale Milchprodukte im ersten Jahr ganz zu verzichten und im zweiten Lebensjahr nur sehr begrenzt zu gehen. Mehr unter Kleinkindkost zu diesem Thema.

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