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Milchfreie Kost

Unter milchfreie Breie, Kost bzw. Ernährung verstehe ich, dass sämtliche

  • Milchprodukte gemieden werden (müssen)
  • auch Spuren von Milcheiweiß, z.B. produktionstechnisch ausgeschlossen sind,
  • die Milch bzw. die wichtigen Inhaltsstoffe wie z.B. Calcium  durch andere Rohstoffe ersetzt werden
  • nur die Milch zu meiden, ist keine Alternative in der Säuglings- und Kleinkindernährung
  • Kuhmilchprodukte einfach  gegen andere Tiermilchprodukte auszutauschen, halte ich für keine Alternative; es besteht hier die Gefahr  unerkannter Kreuzallergien und der Mangelernährung

Wann sollte ein Baby und/oder Kleinkind milchfrei ernährt werden

Nur in Abstimmung mit dem Kinderarzt und begleitet durch eine Ernährungsberatung z.B. durch die Krankenkasse oder eine Diätassistentin (Kinderklinik) um Nährstofflücken zu vermeiden.

  • bei Hautproblemen welche sich durch die Gabe von Milcheiweiß verstärken (z.B. stillende Mutter trinkt Milch – die Haut des Kindes blüht auf – dies ist mehrfach beobachtet worden – Folge Mutter ernährt sich milchfrei)
  • bei Verdacht auf eine Kuhmilchunverträglichkeit (z.B. Bauchkrämpfe, Koliken, Hautekzeme, Durchfall)
  • bei Verdacht auf Kuhmilchallergie (nach Verzehr können auftreten: blutige Durchfälle, starkes Erbrechen, Schleimhautschwellungen z.B. um den Mund, Ausschläge, Ekzeme, Neurodermitis (?) am ganzen Körper, kleinste Spuren von Milcheiweiß wie z.B. in Keksen, lösen diese Reaktionen aus)
  • zur Therapie eine Kuhmilchallergie (oder Unverträglichkeit)
  • bei Such-Diäten im Rahmen einer Allergie-Diagnose
  • Kindern von Veganern (hier werden aus ideologischen Gründen alle Tierprodukte abgelehnt)

Was bringt die milchfreie Ernährung bei diesen Kindern

  • Hautsymptome bessern sich in den folgenden Tagen und die Haut bleibt bis zum nächsten Milcheiweißkontakt gut
  • Darmschleimhaut baut sich wieder auf – nach ca. 3 Wochen der milchfreien Ernährung haben sich Kind und Darm erholt
  • Bauchkrämpfe, Koliken usw. verschwinden
  • gesunde, altersgerechte Entwicklung, vorausgesetzt, das Milcheiweiß wird adäquat ersetzt.

Wann ist eine milchfreie Ernährung umstritten

  • als Allergieprophylaxe allgemein
  • bei fehlender Symptom-Besserung (dann liegt die Ursache woanders)
  • wenn sie „einfach so … “ erfolgt, weil es im Umfeld gerade diskutiert wird und/oder die Angst diese Entscheidung beeinflusst –> gegen Angst hilft eine gute Information!

Wichtige Beispiele zum Verständnis

Generell gilt, nur wo milchfrei drauf steht, kann man tatsächlich davon ausgehen, dass es auch milchfrei ist.

Das Studieren von Zutatenlisten gehört zum täglichen Job wenn man Mutter oder Vater von einem Milchallergiker ist. Die Zutatenlisten geben primär eine Orientierung. Auf ihnen sind die Zutaten für das Produkt aufgelistet. Findet man hier kein Milcheiweiß – gibt es noch lange nicht die Sicherheit, dass es wirklich milchfrei ist.

Beispiel 1: Du hast einen Brei gefunden, reine Cerealienflocken und Vitamin B Zusatz (lt. Gesetz); es ist kein Hinweis auf dem Päckchen das „milchfrei“ besagt. Hier sollte ein Anruf beim Unternehmern erfolgen (Service-Telefon wäre jetzt toll) um die Bestätigung zu holen, ob das Produkt verwendet werden darf! Es kann sein, dass diese Produkt auf der gleichen Maschine produziert wird, wie eine Stunde vorher ein Milchbrei … damit kann das Unternehmen das „milchfrei“ nicht mehr garantieren – obwohl keine Milch direkt zugesetzt wurde. Es kann sein, man hat schlicht vergessen „milchfrei“ zu deklarieren …..

Beispiel 2: Kekse, Du hast Kekse gefunden, und in der Zutatenliste ist keine Milch aufgeführt. Und trotzdem kann Milch drin sein. Auch hier wieder kann es produktionstechnisch zu einer „Kontamination“ also einem Kontakt durch vorherige Produktion kommen! Hier hilft nur das konkrete Nachfragen beim Hersteller.

Zutatenlisten prüfen ist der erste Weg – konkretes Nachfragen bei den Herstellern in vielen Fällen unbedingt nötig.

Diesen Aufwand wiederum macht kaum Jemand dem es „nur“ um die milchfreie Ernährung zur Prophylaxe geht. Und hier trennen sich auch die Wege. Es gibt viele Kinder die vermeintlich „milchfrei“ im 1. Jahr ernährt wurden …. und trotzdem immer wieder kurz Kontakt mit Milcheiweißspuren hatten. Einem Allergiker sieht man es sofort an – einem gesunden Kind natürlich nicht.

Buchempfehlung

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Den beschriebenen Aufwand hat Anja Weygandt, Krankenschwester und Mutter zweier hochallergischer Kinder, jahrelang betrieben. Ihr Wissen stellt sie uns in einem Nachschlagewerk zur Verfügung. Das Buch enthält:

  • Produktlisten von milcheiweißfreien Produkten von 55 Firmen
  • von Babykost bis zur normalen Familienkost (auch für Erwachsene und Stillende ein super Nachschlagewerk)
  • Platz für eigene Notizen direkt bei den Produkten um z.B. die Einkaufsquelle aufzuschreiben
  • Produkte auch aus dem Supermarkt
  • viele Tipps zum Umgang mit Zutatenlisten
  • Backrezepte
  • Kochrezepte
  • Service unter einer im Buch genannten Seite können ständig Neuerungen und Veränderungen abgerufen werden. So hat man immer die Gewähr, dass der Inhalt des Buches aktuell ist. Nur für Buchkäufer zugänglich (aus verständlichem Grund)

Wo versteckt sich Milcheiweiß

  • Brot, Brötchen – beim Bäcker gezielt nachfragen
  • Kekse und Plätzchen – beim Hersteller/Bäcker erfragen
  • Nudeln
  • Fertigsuppen und -saucen
  • Fertigpudding
  • Schokolade
  • Gummibärchen
  • Margarine
  • Mayonnaise
  • Wurst und Fleischwaren – beim Metzger gezielt nachfragen
  • Gewürzmischungen wie Ketchup, Grillsaucen
  • Salatsaucen
  • Medikamente (!) Globuli (Lactose-Basis)
  • Pflegemittel (!) (Babybad, Creme etc.)
  • Fertiggerichte

So werden Milchbestandteile deklariert bzw. das ist aus Milch

  • Milcheiweiß
  • Molkenerzeugnis / Molke
  • Casein
  • Milchzucker / Lactose
  • Butter
  • Sahne / süßer Rahm
  • Joghurt
  • Quark / Topfen
  • Buttermilch
  • Creme Fraiche / Creme Double
  • Sauerrahm / Schmand
  • Dickmilch / Kefir
  • Käse / Frischkäse / Schmelzkäse
  • Feta (Kuh oder Schaf)
  • Mozarella (Büffel oder Kuh)
  • Peccorino (getrockneter Schafskäse)
  • Schafs- und Ziegenkäse sind kritisch wegen Kreuzallergien. Sie können evtl. Kuhmilch enthalten.

Medical Tribune Bericht    17.01.2007

Gängige Allergietests bieten bei Kindern keine Garantie für Richtigkeit. Selbst Bluttests können zu falsch-positiven Ergebnissen führen, warnt ein Experte.

Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie bei Kindern ist weder auf einfache Hauttests noch auf Bluttests Verlass. Zu dieser Einschätzung kommt der Allergologe Paul Brand aus Zwolle, Niederlande.

Auf dem Jahreskongress der European Respiratory Society in München berichtet der Allergologe, dass in Zwolle zwei Drittel aller herkömmlich festgestellten „Kuhmilchallergien“ bei Kindern durch doppelblinde placebokontrollierte Tests ausgeschlossen wurden. Doppelblind und placebokontrolliert bedeutet, dass abwechselnd der vermeintliche Allergieauslöser und eine erwiesenermaßen harmlose Substanz auf die Haut gegeben wird. Dabei ist weder dem Tester noch dem auswertenden Arzt noch der Testperson bekannt, wann welche Substanz aufgetragen wird.

Den Einwand, dass bei schweren oder offenkundigen Symptomen ein Doppelblindtest überflüssig sei, hält Brand nicht für stichhaltig. Denn angebliche „allergische“ Reaktionen, auch schwer verlaufende, wurden bei seiner Überprüfung genauso bei Placebos beobachtet.

Selbst bei Babys und Kleinkindern traten in jeder vierten Placebotestung Symptome auf, die bei anderen Tests als allergische Reaktion gewertet worden wären. Brand plädiert daher dafür, Nahrungsmittelallergien immer mit Doppelblind-Studien zu kontrollieren.

Milchersatz-Nahrung für Babys und Kleinkinder

(bis ca.4 J.) zum Trinken, Kochen, Backen usw. und Tipps für Stillende

Sojadrink aus dem Reformhaus oder dem Öko-Markt,

sind milchfrei,  werden unter Eltern, und auch von Kursleiterinnen, Hebammen, Stillgruppen usw. häufig empfohlen. Diese Drinks bestehen aus der gepressten Sojabohne, manche Produkte sind auch mit Kalzium und Vitaminen angereichert. Dennoch sind sie nicht geeignet für die Ernährung im Säuglings und Kleinkindalter. Es fehlen den Sojadrinks wichtige Aminosäure (Eiweißbausteine) die den Kindern unbedingt zugeführt werden müssen. Des weiteren beinhalten sie sogar „Hemmstoffe“ die ihrerseits verhindern, dass die Aminosäuren (z.B. Trypsin und Lysin) aus anderen Lebensmitteln aufgenommen werden können. Eine schleichende Mangelernährung ist die Folge. Mir ist keine Firma bekannt, die ihren Sojadrink von sich aus für Babys anbietet! Damit wären nämlich Bestimmungen verbunden, die zwingend umgesetzt werden müssen zum Schutz der Kinder.

Soja-Spezialnahrungen

wie z.B. Aptamil Soja oder HSL von Humana sind speziell zur milchfreien Ernährung im Säuglings- und Kleinkindalter konzipiert worden. Sämtliche Inhaltsstoffe orientieren sich am Spektrum (Vorbild) Muttermilch. Die Firmen mussten jahrelang beweisen dass diese Spezialnahrungen keine Stoffwechselprobleme bei den Kindern verursachen, sämtliche Nähr- und Mikronährstoffe abgedeckt sind. Mittlerweile sind sie anerkannter Standard. Auch zum Backen und Kochen geeignet. Werden vom Kimderarzt empfohlen bei entsprechender Diagnose als Therapienahrung.

Reismilch

ist milchfrei, auch hierzu höre und lese ich diverse Empfehlungen von Hebammen, Stillgruppen usw. Eine Fehlernährung damit ist vorprogrammiert, da sich auch die Reismilch nicht am Spektrum Muttermilch orientiert. Der Zusatz von einigen Vitaminen oder Kalzium bedeutet nicht, dass die Reismilch alles enthält was ein wachsender Organismus nötig braucht. Nicht zu empfehlen.

Auch hier laufen Anfragen (wie oben) bei namhaften Bio-Unternehmen –  bisher keine Antwort erhalten. Seit drei Wochen keine Antwort von drei Unternehmen! Auch danach gab es keine Rückmeldung! Das ist für mich gleichbedeutend wie „Nein, unsere Reismilch empfehlen wir nicht für Säuglinge und Kleinkinder“.

Mandelmilch

milchfrei, auch hier fehlt es an wichtigen Aminosäuren wie z.B. Lysin, Methionin, Isoleucin und Tryptophan. Außerdem wird der Kalzium und Vitaminbedarf bei weitem nicht abgedeckt. Etwas Mandelmus in den Obst-Getreide-Brei als Fettzugabe ist prima. Zum herstellen eines Muttermilchersatzes ist es nicht geeignet.

Stutenmilch

ist ebenfalls eine Milch – und hat im Eiweißbereich Parallelen zur normalen Kuhmilch. Auch hier ist eine Kreuzallergie nicht auszuschließen – ein Prophylaxe-Effekt ebenfalls nicht erwiesen. Es gibt sie getrocknet – sie ist ausgesprochen teuer und nicht angereichert nach dem Vorbild der Muttermilch. Sie wird dennoch vom Hersteller als geeignet für Babys beworben. Eine Anfrage läuft bei dem größten Stutenmilch-Produzenten.  Keine Antwort!  Nicht milchfrei.

HA-Nahrungen

sind alle auf Milchbasis – und nicht geeignet zur Therapie bzw. zur milchfreien Ernährung!

Hydrolysat-Nahrungen

sind Therapie-Nahrungen. Auf meiner Seite Spezialnahrungen findest Du alle gängigen Produkte aufgeführt.

Muttermilch ist selbstverständlich auch für Babys mit Milchallergie geeignet. In dieser Situation empfiehlt es sich, dass die Mutter sich komplett milchfrei ernährt. Sie kann sich an den vorgestellten milchfreien Produkten orientieren – und darf natürlich normale kalziumangereicherte Sojadrinks oder Reismilch zu sich nehmen. In diesen Fällen würde ich auch Schafs- und Ziegenmilchprodukte (vor allem Käse) zu Essen raten. Letztendlich muss die Stillende einen hohen Kaloriengehalt und eine gute Mischkost zu sich nehmen. Sollten Reaktionen auch auf diese Tiermilch-Produkte auftreten müssen sie natürlich genauso strikt gemieden werden.