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Aktuelle Empfehlungen zur Kariesvorbeugung mit Fluoriden

Entstehung des Zahnkaries

Karies (= Fäule) entsteht an der Zahnoberfläche und wird durch unterschiedliche Faktoren begünstigt. Die vier wichtigsten Voraussetzungen zur Entwicklung einer Zahnkaries sind

bullet Kariesanfällige Zähne (auch genetisch bedingt)
bullet Bakterien und Mikroorganismen im Zahnbelag (Plaque)
bullet bakteriell vergärbare Kohlenhydrate aus der Nahrung / Getränke
bullet Zusammenwirken auslösender Faktoren über eine längere Zeit

Eine zentrale Rolle bei der Kariesentwicklung hat der Zahnbelag. Dort kommen Bakterien vor, die über Enzyme für Zucker- bzw. Stärkeabbau verfügen. Die Nahrungskohlenhydrate wie z.B. Stärke aus Brot, Teigwaren, Kartoffeln, Süßigkeiten, Haushaltszucker bzw. gezuckerte Erzeugnisse, bringen Nahrung für die Weiterentwicklung und -verbreitung der Bakterien im Zahnbelag. Dabei entstehen Säuren - ist dieser Säuregehalt sehr hoch, entzieht er dem Zahn u.a. Kalzium und Phosphor aus dem Zahnschmelz.

 

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Durch Zähneputzen nach der Mahlzeit können "Säureattacken" auf den Zahnschmelz unterbunden werden. Geschieht dies nicht regelmäßig, so entstehen zunächst oberflächliche Läsionen im Zahnschmelz die sich zu richtigen Karieslöchern ausbreiten können.

Deshalb sollten folgende Punkte unbedingt vermieden werden

bullet Dauernuckeln vor allem von kohlenhydrathaltigen Getränken & Milchen
bullet Betthupferl bei älteren Kindern nach dem Zähne putzen

In den letzten 10 Jahren ist ein deutlicher Rückgang von Karies bei Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen - bei vergleichbarem Zuckerkonsum!

Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde schließt daraus

In der Kariesprophylaxe haben Zahnpflege und Stärkung der Zahnoberfläche durch Fluoride die oberste Priorität! "Ein sauberer Zahn wird selten krank!"

Durch das Zähneputzen werden Speisereste und Zahnbeläge mechanisch entfernt. Damit die Bakterien verringert und das "Futter" entzogen. Es bilden sich weniger Säuren - die Gefahr des Verlustes von Kalzium und Phosphat ist geringer.

Fluoride in der Zahnpasta fördern die Wiedereinlagerung von Kalzium und Phosphat in den Zahnschmelz. Kleinere Schäden können damit behoben werden.

Fluoride die mit der Nahrung oder dem Trinkwasser (bzw. Tabletten) aufgenommen werden erhöhen den Fluoridanteil im Zahnschmelz und im Speichel. Die Widerstandsfähigkeit des Zahnschmelzes gegenüber einer Säureeinwirkung erhöht sich.

 

Die aktuellen Empfehlungen zur Kariesprophylaxe

der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

bullet keine Notwendigkeit der Fluoridanwendung (Tabletten) vor dem 6. Lebensmonat
bullet Mit dem Durchbruch des ersten Milchzahns: 1 mal am Tag Zähneputzen mit einer erbsgroßen Menge an fluoridhaltiger Kinderzahnpasta (max. 500 ppm Fluorid); Hilfestellung der Eltern beim Zähneputzen.
bullet Von Zahnpasta mit Fruchtgeschmack wird abgeraten, um einem Abschlucken vorzubeugen
bullet Ab dem 2. Geburtstag: 2 mal Zähneputzen am Tag und zahnärztliche Kontrolluntersuchung; Prophylaxeunterweisung von Eltern und Kind
bullet Ab dem 3. Geburtstag maßvolle Verwendung von fluoridiertem Speisesalz (Jodsalz mit Fluorid) für das kochen im Haushalt; Diese Maßnahme entfällt wenn regional fluoridreiches Trink-/Mineralwasser zur Verfügung steht. Fluoridgehalt beim Wasserwerk erfragen
bullet Ab dem 6. Geburtstag mindestens 2 mal täglich Zähneputzen am Tag mit Erwachsenen-Zahnpasta (1000-1500 ppm Fluorid)

Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen werden lokale Fluoridschutzwirkungen (also Zahncreme) höher bewertet als tägliche Fluoridgaben (Tabletten).

Das tägliche Zähneputzen mit fluoridhaltiger Kinderzahncreme ab dem 1. Milchzahn wird als die wirkungsvollste Prophylaxemaßnahme bewertet.

bullet Fluoridtabletten gehören nicht mehr zur Basisprophylaxe. Auf jeden Fall ist deren Verabreichung vor dem Durchbruch des ersten Milchzahns aus zahnärztlicher Sicht NICHT erforderlich
bullet Kinderzahnpaste hat zur Sicherstellung lokaler Fluorid-Schutzwirkungen einen um 100 % höheren Fluoridgehalt. Vorher 250 ppm jetzt 500 ppm.

 

Fluoridtabletten werden weiterhin empfohlen wenn

bullet keine fluoridhaltige Zahncreme Verwendung findet
bullet von einer regelmäßigen und guten Zahnreinigung nicht auszugehen ist
bullet wenn flouridiertes Jodsalz (ab 3. Geb.) nicht verwendet wird

Vor der Verordnung von Fluoridtabletten durch Zahn- oder Kinderarzt ist eine Fluoridanamnese zu empfehlen, um die Fluoridzufuhr mit der Nahrung, (speziell auch hypoallergene Nahrung, bilanzierte Diäten) oder beispielsweise durch Trink- und Mineralwasser, das zur Zubereitung der Flaschennahrung verwendet wird, zu erfassen.

Die Dosierung der Tabletten richtet sich nach Alter des Kindes und dem Fluoridgehalt in verfügbarem Trink- oder Mineralwasser. Flouridierte Zahncreme wird immer empfohlen!

bullet Enthält das Wasser 0,7 mg oder mehr Fluorid/Liter sollte keine weitere Flouridgabe erfolgen für die ganze Familie (keine Tabletten, kein fluoridiertes Salz)
bullet Enthält das Wasser 0,3 - 0,7 mg Fluor/Liter reicht dieser Gehalt bis zum 3. Lebensjahr als einzig Fluoridquelle aus (keine Tablettengabe, kein angereichertes Salz!)
bullet Enthält das Wasser unter 0,3 mg Fluor/Liter sollte ab 6. Monat bis zum 3. Geburtstag 0,25 mg zugeführt werden (Tablette oder angereichertes Salz)

Der Flouridgehalt des Trinkwassers kann bei den örtlichen Wasserwerken erfragt werden!

Die Vitamin D Prophylaxe ist unabhängig dazu zur Rachitisprophylaxe empfohlen.

Achtung

Die Deutsche Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin empfiehlt weiterhin die Fluoridprophylaxe mit Tabletten für Säuglinge und Kleinkinder ab der 2. Lebenswoche.

Und hier ein interessanter Beitrag zum Thema.

 

Mein Kommentar

Liebe Eltern,

alles bisher Geschriebene, ist abgeschrieben. Es ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte für Baby- und Kleinkinder- Zahnpflege herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde.

Mir ist eine sachliche Weitergabe so wichtiger Vorsorge-Maßnahmen sehr wichtig. Erstaunlich finde ich, dass sich Kinderärzte und Kinder- und Jugendzahnärzte nicht zu einer einheitlichen Stellungsnahme und Vorsorge-Empfehlung durchringen können. Diese Tatsache führt mit Sicherheit zu einiger Verwirrung. Eltern bekommen unterschiedliche Empfehlungen und Ratschläge. Das kann passieren

bullet Fluoridtablette wird abgelehnt, die Zähne aber nur mechanisch bzw. mit Zahncreme ohne Fluorid geputzt
bullet Fluoridtablette wird täglich gegeben & flouridierte Zahncreme verwendet
bullet Flouridgehalt des Wassers wird völlig ignoriert oder überschätzt
bullet HA-Nahrungen bzw. bilanzierte Diäten werden in der Fluoridberechnung schlicht ignoriert
bullet Kann die fluoridierte Zahncreme nun geschluckt werden oder nicht? Ich weiß es leider nicht - erstaunlicherweise wird "ohne Fruchtgeschmack" empfohlen - um dieses zu vermeiden. Aber wie soll eine erbsgroße Menge aus dem Mund heraus geschafft werden? Für mich ist nur Schlucken bei so kleinen Kindern denkbar. Aktives ausspucken würde ich frühestens bei Zweijährigen als realistisch ansehen.

Die Ergebnisse der letzten Jahre zeigen ganz klar, obwohl wir einen Zuckerkonsum wie eh und je hatten, sind die Kariesfälle im Kindes- und Jugendalter insgesamt sehr stark zurück gegangen. Das wird zurück geführt auf die breitere Anwendung von Fluoriden in Zahnpasten, Mundspüllösungen, Lacken, Tabletten sowie dem Einsatz von fluoridertem Speisesalz. Damit verbunden eine bessere Zahnpflege & Mundhygiene.

Laut dieser Studien geht aber auch klar hervor, dass in den sozialschwächeren Schichten der Bevölkerung eine mangelhafte und tendenziell schlechtere Zahngesundheit festzustellen ist. Von Kindesbeinen an vernachlässigte Zahnpflege, Fluoridprophylaxe und falsche Ernährungsgewohnheiten vor allem der älteren Kinder und Jugendlichen.

Flouridgaben werden sehr kontrovers diskutiert - ich denke aber, diese Ergebnisse sollten alle Eltern kennen um daraus ihre eigenen Rückschlüsse ziehen zu können. Kariesprophylaxe ist und bleibt eine wichtige tägliche Vorsorge-Maßnahme in der ganzen Familie - vom ersten Zähnchen an!

Mein Wunsch an die Gremien der Ärzte ob Kinder- oder Zahnmedizin! Einigt Euch und sprecht mit einer Sprache - es ist unglaubwürdig wenn eine Ärztegruppe "hüh" und die andere Ärztegruppe "hott" schreit. Im Sinne der Kinder sollte hier ein Konsens, eine einheitliche, verlässliche Empfehlung gefunden werden.

Ute

Kinderkrankenschwester

 

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